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„Gesunder Menschenverstand war gefragt!“

Der Schweizerzug konnte als eines der ersten Unternehmen alternative Transportoptionen während der gesperrten Strecke der Rheintalbahn anbieten. Aber was geschieht in so einer Notfallsituation bei einem Zugbetreiber eigentlich hinter den Kulissen? Wir haben bei Adriana Dittrich (AD), Head of Customer Service and Planning bei der Swissterminal AG, nachgefragt.

Die Schienensperrung zwischen Rastatt und Baden-Baden hält bereits seit drei Wochen an und stellt Bahnbetreiber vor große Herausforderungen. Der Schweizerzug hat vergleichsweise sehr schnell einen Notfallplan ausgearbeitet. Wie haben Sie das geschafft?

AD: Wir haben direkt am 12. August, als sich der Vorfall ereignete, davon erfahren. Das war unser großer Vorteil. Wir haben noch am selben Wochenende eine Krisensitzung gehalten und an einem Notfallplan gearbeitet. Hier haben wir die verschiedenen Optionen, um den Containertransport trotz der gesperrten Rheintalstrecke einigermaßen aufrecht zu erhalten, evaluiert. Und uns wurde schnell klar, dass die beste Möglichkeit zunächst einmal der Transport per Binnenschiff war, um größere Rückstaus zu vermeiden.

War es denn möglich, so kurzfristig geeignete Tonnage zu finden?

AD: In so einem Fall sind gute Kontakte natürlich Gold wert. Dadurch waren wir relativ schnell in der Lage, unseren Kunden ein konkretes Angebot für den Bargetranport zu machen. Die hier anfallen Kosten sind zwar höher als es normalerweise der Fall ist, aber Angebot und Nachfrage bestimmen nun einmal den Preis, das ist in einer Krisensituation leider nicht anders.

Die Verbindungen, die Sie anbieten, laufen normalerweise über den Hub Neuss. Ist dies derzeit auch der Fall?

AD: Teilweise. Einerseits haben wir einige Abfahrten von Rotterdam und Antwerpen über Neuss laufen lassen. Andererseits haben wir ab Rotterdam auch bereits einige direkte Verbindungen nach Basel angeboten. Somit konnten wir dementsprechend Zeit und unsere Kunden Geld sparen. Diese Option war allerdings zunächst auch mit einigen Herausforderungen verbunden!

Was genau meinen Sie damit?

AD: Um an bestimmten Terminals anzulegen, mussten wir als Bargebetreiber zunächst einmal offiziell als Kunde des jeweiligen Betriebs eingetragen sein. Damit waren einige administrative Punkte verbunden, die teilweise recht zeitintensiv waren. Aber auch hier haben uns gute Kontakte sehr weitergeholfen. Letztlich konnten wir über kurze, direkte Wege kommunizieren, da die entsprechenden Partner die Dringlichkeit der Angelegenheit erkannt haben. Hier war gesunder Menschenverstand gefragt, und kein Beharren auf bürokratische Prozesse. Ein anderer Punkt war allerdings, dass wir uns von heute auf morgen in neue Systeme einarbeiten mussten. Wir haben also viel gelernt – auch wenn es eher learning by doing war. Hier konnten wir uns aber vor allem auf die gute Unterstützung von unseren Partnern aus den Niederlanden freuen.

Wie sieht die Situation aktuell aus?

Wir beobachten die Containermengen weiterhin und entscheiden von Woche zu Woche, ob es notwendig ist, weitere Kapazitäten per Schiff ab Neuss oder optional auch ab Rotterdam abzufertigen. Mit dem Schweizerzug operieren wir mittlerweile auf einer Ausweichstrecke und haben den Container-Rückstau der vergangenen Wochen gut abgearbeitet. Allerdings haben wir es immer noch mit einer hohen Planungsunsicherheit zu tun. Wir wissen derzeit noch nicht, wie lange die Längenbeschränkung unseres Zugs auf 510 m aufgrund von Baumaßnahmen auf der Alternativstrecke über Singen in Kraft bleiben wird. Wir hoffen aber, dass wir schnell zur normalen Zuglänge zurückkehren können. Noch besser wäre es natürlich, wenn wir rasch wieder drei Rundläufe pro Woche statt aktuell zwei anbieten können.

Was ist denn Ihr persönliches Fazit aus den vergangenen Wochen?

AD: Es war eine anstrengende Zeit, das ist klar. Ich muss aber auch sagen, dass wir aus der Situation viel mitnehmen konnten. Solche Ereignisse wie die Teilsperrung von einem der wichtigsten Transportkorridore in Europa möchte niemand von uns erneut erleben. Aber die Zusammenarbeit zwischen Teamkollegen und Geschäftsleitung war super und gemeinsam haben wir neue Wege gefunden, um diese Krisensituation bestmöglich meistern zu können. Probleme wie diese kann man nicht verhindern – aber man kann lernen, wie man mit derartigen Situationen umgeht und seinen Horizont wieder ein kleines Stückchen erweitern. Und das ist letztlich doch ein schönes Gefühl.